Kino VENUS
Quelle: Privatsammlung Martina Behn, 14.09.2003
In der Degnerstraße, die im Jahre 1912 nach dem Unternehmer Friedrich Degner (1855-1907) benannt wurde, befand sich von 1899 bis 1929 ein Betriebshof der Straßenbahn, zu dem ein Kraftwerk zur Stromerzeugung für die Straßenbahn (das spätere Kinogebäude), eine Wagenhalle und die Verwaltung gehörten. Auf dem hinteren Grundstücksteil befand sich die Wagenhalle mit sechs Hallengleisen, eine Lackiererei und Tischlerei. Der Straßenbahnbetrieb wurde im Mai 1913 auf der Hohenschönhausener Strecke aufgenommen.
Ab 1929 nutzte der Unternehmer Carl Bresin das Depot als Nährmittelbetrieb. Im Jahre 1947 kauften Anna und Georg Reichardt die Ruine des einstigen Straßenbahndepots und bauten sie aus eigenen Mitteln und vorwiegend aus Trümmerschutt zum Kino mit 586 Sitzplätzen um. Das Kino erhielt bei Eröffnung im Februar 1948 den Namen UHU, weil in der Ruine während der Umbauphase ein Käuzchen entdeckt wurde. Im Jahre 1959 wurde das Kino verstaatlicht und stand fortan unter der Leitung des VEB Berliner Filmtheater. In zehn Monaten wurde das Kino umgebaut und technisch modernisiert, so dass es am 01.09.1966 wieder eröffnet werden konnte, jetzt unter dem neuen Namen “Kino VENUS“. Der vorgelagerte Quader mit seinen bis an den Gehweg grenzenden Fenstern wurde vor dem dahinterliegenden Kinosaal angebaut und diente als Foyer mit Kassenhäuschen. Im Kinosaal gab es nun einen roten Plüschvorhang und 14 ansteigende Sitzreihen mit goldgelben Klappstühlen, in denen ca. 350 Besucher Platz fanden.
Seit dem Frühsommer 1976 wurde das Kino VENUS zur zweiten Spielstätte des Kabaretts „Die Distel“, die sehr beliebt und immer ausverkauft war. Der ebenfalls in Hohenschönhausen wohnende Kabarettist, Schauspieler und Schriftsteller, Peter Ensikat, hatte das Kabarett nach Hohenschönhausen geholt.
Nach der Wende wurde das Filmtheater im Jahre 1990 reprivatisiert. Uwe Feld übernahm im August 1998 das kleine Kiezkino, investierte ca. 150.000 DM in die Erneuerung der Tontechnik, eine neue Bestuhlung im großen Saal (Kino VENUS 1) und in die Einrichtung eines kleinen Saales (Kino VENUS 2). Er versuchte, mit DEFA-Filmen ein spezielles Publikum anzusprechen. Doch die Konkurrenz durch das am 01.08.1998 neu eröffnete Multiplex-Kino Cinemotion in Neu-Hohenschönhausen war zu stark, so dass das Kino VENUS im November 2004 endgültig schließen musste. Im Jahre 2007 verschwand dann auch der Schriftzug VENUS von der Dachkante. Nach der Schließung wurde das ehemalige Kino zunächst als Lagergebäude genutzt, bis es Hans-Jürgen Esch im Jahre 2006 vom Liegenschaftsfonds erwarb. Er hat das gesamte Gebäude bis zum Jahre 2018 etappenweise umgebaut und energetisch saniert. Heute wird es als Wohn- und Geschäftshaus genutzt.
Im kleinen Kinosaal lief ab Dezember 2003 der Film 'Die Rückkehr des Königs', der dritte Film aus der Trilogie 'Der Herr der Ringe'. Die Filmdose mit der darin befindlichen Filmrolle war noch vorhanden, als Herr Esch das Gebäude im Jahre 2006 übernahm. Sie befindet sich jetzt im Museum Lichtenberg. Foto: Hans-Jürgen Esch, 2006
Vorführraum für den großen Kinosaal; Ende der 1990er Jahre wurde im großen Kinosaal der amerikanische Zeichentrickfilm 'Der tapfere kleine Toaster' gezeigt. Foto: Hans-Jürgen Esch, 2006

Hinter der historischen Straßenbahn ist das Kinogebäude mit dem markanten Schriftzug zu erkennen. Bis November 2004 konnte man sich hier noch Filme ansehen. Quelle: Privatsammlung Martina Behn, 14.09.2003
Foto: Martina Behn, 15.10.2017
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