industriebahn tegel-friedrichsfelde (itf)

Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde (ITF)

Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde (ITF)

Foto: Martina Behn, 25.02.2021

Ehemalige Teilstrecke durch Alt-Hohenschönhausen

Vor dem Bau der Industriebahn gab es Überlegungen, die Güter vom Tegeler Hafen bis nach Friedrichsfelde nicht auf dem Schienenweg, sondern auf dem Wasserweg zu transportieren. Da die Kosten für einen Kanalbau zu hoch waren, entschied man sich für den Schienenweg. So wurde der erste Streckenabschnitt Blankenburg-Friedrichsfelde bereits am 16.12.1907 in Betrieb genommen; die Gesamtstrecke vom Tegeler Hafen bis Friedrichsfelde-Magerviehhof wurde dann am 31.10.1908 eröffnet. Dadurch konnten viele Unternehmen in Reinickendorf, Pankow und Lichtenberg mit Waren beliefert werden. Die Streckenlänge von Tegel bis Friedrichsfelde betrug insgesamt 26,2 km. Die Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde wurde mit der mehrheitlichen Anteilsübernahme durch die Reinickendorf-Liebenwalde-Groß-Schönebecker Eisenbahn ab 01.07.1925 von dieser betrieben, die sich im Jahre 1927 in Niederbarnimer Eisenbahn AG umbenannte. Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene politische Teilung Berlins wirkte sich auf den Bahnbetrieb negativ aus, so dass einzelne Abschnitte in Etappen von 1945 bis 1987 stillgelegt werden mussten. So wurde der Abschnitt zwischen Weißensee und Hohenschönhausen am 01.01.1973 offiziell stillgelegt, wobei der Abschnitt ab Hohenschönhausen im Jahre 1978 noch einmal in Betrieb genommen wurde. Am 19.02.1987 wurde dann der Güterverkehr endgültig eingestellt, die Strecke ab der Falkenberger Straße stillgelegt und die Gleisanlage bis Hohenschönhausen abgebaut.

Die Industriebahn kreuzte in Alt-Hohenschönhausen die Suermondtstraße, Degnerstraße, Konrad-Wolf-Straße (ehemalige Berliner Straße), Große-Leege-Straße, Ferdinand-Schultze-Straße, Rhinstraße (Unterquerung) und Plauener Straße sowie die damaligen Straßenbahnlinien 63, 64 und 70. Der Güterbahnhof befand sich in der Bahnhofstraße. Angeschlossen an die Industriebahnstrecke in Alt-Hohenschönhausen waren u.a. die Maschinenfabrik Heike, die Maschinenfabrik Frohloff, die Konservenfabrik Germania, der Motorpflug- und Lokomotivenbau Rüttger, das Speziallager Nr. 3, das Stasi-Gefängis, das Metallleichtbaukombinat und der VEB Signal- und Sicherungstechnik Berlin Werk III. 

📍Abschnitt zwischen Hansastraße (ehemalige Kniprodeallee) und SuermondtstraßeAuf diesem Teil der ehemaligen Industriebahnstrecke, die auf der rechten Seite am Naturschutzgebiet Fauler See vorbeiführt, sollten im Rahmen des Projekts "Grüner Gleisbogen" neue Rad- und Wanderwege entstehen, eine öffentliche Grünanlage einschließlich Spiel- und Erholungsflächen. Dafür müssten allerdings die Erholungsgärten auf der rechten Seite weichen. Dagegen haben sich die Pächter gewehrt. Im Frühjahr 2026 hat die Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg von Berlin mehrheitlich für den Erhalt dieser Erholungsgärten gestimmt, so dass dieses Projekt vorerst wieder auf null gesetzt wurde.

Reste der Industriebahnstrecke kurz vor der Suermondtstraße

An dieser Stelle fuhr die Industriebahn von der Suermondtstraße kommend in das Naturschutzgebiet Fauler See ein.

Hier stehen noch einige Begrenzungspfeiler. Fotos: Martina Behn, 22.09.2026

📍Abschnitt zwischen Suermondtstraße und DegnerstraßeHier verlief die Industriebahnstrecke in Richtung Degnerstraße. Foto: Martina Behn, 28.12.2025

📍Abschnitt zwischen Degnerstraße und Konrad-Wolf-Straße (ehem. Berliner Straße)An der Begrenzungsmauer zur Löwenbrauerei ist folgender Schriftzug zu lesen: Die Stärke der Roten Armee besteht darin, daß sie keinen Rassenhaß gegen andre Völker, auch nicht gegen das deutsche Volk hat. Quelle: Seniorenheim St. Albertus, 1960er Jahre

Hier verlaufen die Industriebahngleise über die Berliner Straße (heute Konrad-Wolf-Straße) und kreuzen gleichzeitig die Straßenbahngleise. Postkarte um 1910 (Das Museum Lichtenberg besitzt einen Schwarz-Weiß-Abzug.)

Hier werden die Gleisanlagen der ehemaligen Industriebahn entfernt, um neue Wohngebäude errichten zu können. Leider wurde in diesem Zusammenhang auch die Begrenzungsmauer mit dem o.g. Schriftzug entfernt. Foto: Martina Behn, 19.11.2019

📍Abschnitt zwischen Konrad-Wolf-Straße (ehem. Berliner Straße) und Große-Leege-StraßeEhemalige Industriebahnstrecke parallel zur Bahnhofstraße Foto: Martina Behn, 30.04.2026

📍Abschnitt zwischen Große-Leege-Straße und Ferdinand-Schultze-StraßeReste der Gleisanlagen von der Große-Leege-Straße aus gesehen Foto: Martina Behn, 25.04.2020

Hier ist noch das Lf5-Signal (langsam fahren) zu sehen. Foto: Martina Behn, 10.07.2025

Im Hintergrund sind das Bezirksamt Lichtenberg von Berlin (Neubau) sowie Gebäudereste der ehemaligen Fleischwarenfabrik von Eduard Vermander zu sehen. Davor verlief die Industriebahnstrecke. Foto: Martina Behn, 05.11.2022

📍Abschnitt zwischen Ferdinand-Schultze-Straße und Rhinstraße (Unterquerung)Überquerung der Ferdinand-Schultze-Straße

Ehemalige Industriebahnstrecke in Richtung Rhinstraße Fotos: Martina Behn, 25.02.2021

📍Abschnitt zwischen Rhinstraße (Unterquerung) und Plauener StraßeUnterquerung der Rhinstraße Fotos: Martina Behn, 25.02.2021

Foto: Theis Skutnik, 2024

Überquerung der Plauener Straße

Ehemalige Industriebahnstrecke in Richtung Friedrichsfelde Fotos: Martina Behn, 09.08.2022