taborkirche

Taborkirche

Taborkirche

Foto: Martina Behn, 22.01.2017

Hauptstraße 42, 13055 Berlin

Die einstige Dorfkirche erhielt bei der Weihe am 19.02.1905 den Namen "Berg-Thabor-Kirche", benannt nach dem Berg der Verklärung. Die Taborkirche ist das älteste Gebäude von Hohenschönhausen und gehört zu den drei ältesten Kirchen Berlins. Ihr Chorraum wurde bereits um 1232 aus Feldsteinquadermauerwerk erbaut und weist frühromanische Elemente auf, der Ostgiebel bereits gotische Spitzbogenfenster. Das erst im 15. Jahrhundert erbaute Kirchenschiff, das sogenannte Langhaus, verfügt über einen Mittelpfeiler, der das Kreuzgratgewölbe trägt. Zur gleichen Zeit bekam die kleine evangelische Kirche einen Fachwerkturm mit Spitzturmdach, der bereits 1615 durch einen neuen Fachwerkturm ersetzt wurde. Im Jahre 1714, also 100 Jahre später wurde das Spitzturmdach gegen eine Barockhaube mit Wetterfahne ausgetauscht. Bei Ausbesserungsarbeiten im Jahre 1849 wurde das Fachwerk des Turmes verblendet. 1924 und 1950 wurde das Turmdach neu eingedeckt. Infolge von Bauschäden senkte sich der Turm im Jahre 1953 nach Osten, drückte auf das Gewölbe und musste leider abgetragen werden. Im Jahre 1987 wurde der denkmalgeschützte Innenraum der Kirche restauriert.

Artikel in der BERLINER WOCHE vom 03.08.2016

Die auf dem Foto als Kirchenanbau zu sehende Sakristei wurde im 15. Jahrhundert erbaut, unter der sich wahrscheinlich eine Unterkellerung befand, die als Gruftkammer diente. Möglicherweise ist sie verschüttet worden.Foto: Martina Behn, 22.01.2017

Im Jahre 2020 wurde der historische Zugang an der Wartenberger Straße wiederhergestellt.

An der Südseite der Kirche ist links neben dem noch vorhandenen Fenster ein ehemaliges romanisches Fenster deutlich zu erkennen.

An der Nordseite der Kirche wurden bereits seit dem 18. Jahrhundert mehrere Maulbeerbäume zwecks Seidenraupenzucht gepflanzt. Bei einem Unwetter im Jahre 1980 war in dem letzten noch verbliebenen Baum ein Blitz eingeschlagen, infolgedessen er umfiel. Um diese alte Tradition zu erhalten, wurde im Jahre 2020 ein neuer Maulbeerbaum am Kirchenzugang an der Wartenberger Straße nachgepflanzt.

Bereits 1471 besaß der Kirchturm eine Glocke. Im Jahre 1772 wurden unter Pastor Martin Friedrich Behrend drei neue Glocken angeschafft. Unter dem Patronat von Julius Grosse-Leege hat Carl Friedrich Ulrich aus Apolda im Jahre 1898 drei neue Glocken gegossen, die im Jahre 1917 zu Kriegszwecken abgegeben werden mussten. Der Kirchenälteste und Fabrikbesitzer Richard Heike schenkte dann der Kirchengemeinde am 12.01.1919 drei neue Stahlglocken mit folgenden Inschriften: Große Glocke "FRIEDEN AUF ERDEN", die mittlere Glocke "TRETEN ZUM BETEN" und die kleine Glocke "EISEN FUER ERZ". Diese drei Glocken befinden sich seit dem Turmabriss im Jahre 1953 in einem hölzernen Glockenstuhl neben der Kirche.Fotos: Martina Behn, 09.10.2020

Kirchenzugang von der Hauptstraße aus

Am 10.09.1922 wurde eine Kriegerehrentafel an der Westwand der Kirche angebracht und in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht. Auf dieser Tafel stehen die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Kirchengemeinde Hohenschönhausen.

Blick in den Innenraum der Kirche

Blick in den Chorraum mit Vierstrahlgewölbe

Das aus der Renaissancezeit stammende Lesepult (um 1500) weist eine wunderschöne geschnitzte, farbig gestaltete Oberfläche auf. Es befindet sich auf einer achteckigen Säule mit vier Füßen und einem Schmuckband.

Dieses Orgelpositiv wurde von Orgelbaumeister Gerd-Christian Bochmann aus Sachsen erbaut und am 16.03.2002 mit einem Festkonzert und am 17.03.2002 mit einem Festgottesdienst durch die Kantorei der Taborkirche eingeweiht.

Über dem Eingang zur Sakristei befinden sich drei an einer Holztafel angebrachte Fahnenstangen, deren Spitzen auf der Tafel zu sehen sind. Diese Gedenktafel vom 07.05.1694 soll an den Militärdienst des Christian Dietrich von Röbel in den Jahren 1683 und 1686 erinnern. Er war Rittergutsbesitzer auf Hohenschönhausen sowie polnischer und kursächsischer General der Infanterie. Fotos: Martina Behn, 10.06.2026

Um 1500 erhielt die Kirche einen Altar, eine dreiteilige Kreuzigungsgruppe, die die Kreuzigung Jesu in 26 Figuren darstellt. Nachdem diese bereits seit 1683 auf dem Kirchenboden gelegen hatte, überließ die Kirchengemeinde diese Kreuzigungsgruppe im Jahre 1875 dem Märkischen Museum, wo die Reste auch heute noch aufbewahrt werden. Der Patronatsherr Christian Dietrich von Röbell stiftete im Jahre 1683 ein gemaltes Altarbild, auf dem die Familie von Röbell beim Heiligen Abendmahl zu sehen ist. 1858 stiftete der Landrat Scharnweber ein Kruzifix aus Eisen, 1876 der Prediger Paul Betke (Pfarrer in Hohenschönhausen seit 1874) ein Kruzifix mit silbernem Corpus und 1950 Pfarrer Wilke ebenfalls ein Kruzifix, das 1984 bei einem Einbruch gestohlen wurde. Über den Verbleib der beiden anderen Kruzifixe ist nichts bekannt. Nach langen Verhandlungen erreichte Dr. Julius Kurth (Pfarrer in Hohenschönhausen von 1910 bis 1935) eine einvernehmliche Lösung mit dem Märkischen Museum: Als Gegengabe für die Kreuzigungsgruppe durfte er sich aus den Beständen des Märkischen Museums einen anderen Altar aussuchen. Und welch ein Zufall, er wählte - ohne es vorher zu wissen - den Marienaltar (1450) aus der Dorfkirche vom benachbarten Dorf Wartenberg aus, der damals ebenfalls an das Märkische Museum übergeben worden ist! Pfarrer Dr. Julius Kurth ist es zu verdanken, dass die Taborkirche seit 1924 wieder im Besitz eines Altars ist.

Die Altarflügel werden während der Passionszeit zugeklappt. Auf der Rückseite der Flügel sind vier Szenen aus dem Leben Jesu gemalt.Foto: Martina Behn, 09.10.2020 

Im Zentrum des Altars steht Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Im rechten Altarflügel stehen die Heiligen Frauen Katharina und Margarete, Barbara und Dorothea, im linken Flügel die Apostel Petrus und Paulus, Thomas und Georg.Foto: Martina Behn, 10.06.2026

Die Renaissancekanzel wurde um 1600 in achteckiger Form erbaut und mit einem Fuß, einer Treppe und einem Schalldeckel oben versehen. Auf den zwölf Feldern des Kanzelkorbes sind keine Bilder zu sehen, sondern WORTE, die hier als Schmuckelemente dienen. Es sind Bibelworte aus dem Alten und dem Neuen Testament, die einen zusammenhängenden Text ergeben. Bei Umbauarbeiten in den Jahren 1904 und1905 erhielt die Kanzel einen neuen Fuß und eine neue Treppe, der Schalldeckel wurde entfernt. Foto: Martina Behn, 09.10.2020Foto: Martina Behn, 24.12.2023

Blick in das Langhaus mit Dreistrahlgewölbe, errichtet um 1400

Das Totenkronenbrett aus dem Jahre 1834 - Bei diesem Volksbrauch wurden bunt geschmückte Totenkronen für jung Verstorbene auf den Sarg gestellt und mit bestickten Brokatbändern verziert. Nach dem Begräbnis wurden diese Totenkronen auf solchen Brettern im Kirchenraum aufgehängt. Diese Sitte gab es auch in Hohenschönhausen. Während des Umbaus im Jahre 1904 wurden die Dorfbewohner aufgefordert, ihre Totenkronen abzuholen. Die gestickten Brokatbänder wurden unter Glas gerahmt und sind noch heute zu besichtigen. 

Am 01.06.1862 weihte Pfarrer Theodor Eduard Wilhelm Schadow diese Orgel ein, die vom Orgelbaumeister August Friedrich Albert Lang aus Berlin erbaut wurde. Die heutige Orgelempore wurde im Jahre 1905 aus Resten der ehemaligen Patronatsloge errichtet. An der Brüstung sind die Wappen von Christoph von Röbel und seinen Frauen zu sehen. Fotos: Martina Behn, 10.06.2026